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Aufschwung als Reformchance und Reformskizze für eine prosperierende Schweiz
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Die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung reicht nicht aus, um hinsichtlich der schweizerischen Wachstumsschwäche Entwarnung zu geben. Anzeichen für einen tief greifenden, grundlegenden Strukturwandel, der unsere Wirtschaft auf einen anhaltend höheren Wachstumspfad bringen wird, sind kaum auszumachen. Das sind zwei Hauptresultate einer aktuellen Studie von Frank Bodmer, die von Avenir Suisse zusammen mit einer Reformskizze für eine prosperierende Schweiz herausgegeben wird.
In der neusten Avenir Suisse-Studie «Aufschwung als Reformchance» zeichnet der Autor Frank Bodmer die Entwicklung der schweizerischen Wirtschaft über die letzten 10 Jahre detailliert nach und identifiziert die Haupthindernisse für ein höheres Wachstum. Er zeigt aber auch auf, wie diese Hindernisse überwunden werden könnten.
Es gibt durchaus gute Gründe für Optimismus, stellt Bodmer fest, doch aus den verfügbaren Daten lässt sich noch keine strukturelle Trendwende ablesen. Das schweizerische Wachstumsproblem hat weiterhin zwei grundlegende Wurzeln: ein tiefes Produktivitätswachstum und eine schleppende Entwicklung der Gesamtbeschäftigung. Entgegen einer verbreiteten Auffassung stellt sich auch der Arbeitsmarkt als Teil des schweizerischen Wachstumsproblems heraus. Aufgrund der Alterung der Gesellschaft ist sogar zu erwarten, dass die negativen Auswirkungen des heute schon feststellbaren Rückgangs des Anteils der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung noch zunehmen werden. Die Sozialversicherungen, von welchen teilweise starke Fehlanreize auf das Arbeitsangebot ausgehen und die damit für den Rückgang des Erwerbstätigenanteils hauptsächlich mitverantwortlich sind, spielen für das schweizerische Wachstum eine bedeutende Rolle. Die Schweiz nähert sich in dieser Hinsicht der im übrigen Europa herrschenden Situation an: ein umfassend ausgebauter Sozialstaat mit einer hohen Zahl von Leistungsbezügern, die keinen Beitrag mehr an die wirtschaftliche Entwicklung leisten.
Schleppender Binnensektor In einer detaillierten Branchenanalyse zeigt Bodmer Schwächen vor allem in den inlandorientierten Sektoren auf. Der Binnensektor hat mit einem Anteil von rund zwei Drittel einen dominanten Einfluss auf die Entwicklung des schweizerischen Bruttoinlandproduktes. Probleme im Binnensektor belasten somit das gesamtwirtschaftliche Wachstum erheblich. Sieht man vom dynamischen Bausektor ab, hinkt der Binnensektor auch im aktuellen Aufschwung dem aussenorientierten Sektor hinterher. Bodmer ortet die Gründe für diese schleppende Entwicklung der Binnenwirtschaft primär in der staatlichen Regulierung. So stellt z. B. das Beharren auf dem Status quo beim «Service public» ein gewichtiges Hindernis für weitere wachstumsfördernde Reformen dar. Dabei zeigt die schweizerische Erfahrung etwa im Bereich der Telekommunikationsdienste, dass von einer Liberalisierung Impulse für die Entwicklung neuer Produkte und neuer Märkte mit entsprechend positiven Auswirkungen auf Wachstum und Beschäftigung ausgehen können.
Das Buch illustriert anhand zahlreicher Vergleiche, dass überbordenden Wachstumserwartungen mit Vorsicht zu begegnen ist. Dabei geht es nicht um eine nachträgliche Rechtfertigung früherer, allenfalls zu negativer Aussagen über die Wachstumsschwäche. Vielmehr soll auf verbleibende Schwachstellen der schweizerischen Wirtschaftspolitik aufmerksam gemacht werden. Es sind weitere Reformen notwendig, um die Trendwende zu schaffen.
Mehr Wettbewerb und weniger Fehlanreize In welche Richtung weitere Reformbemühungen gehen sollten, diskutieren David Iselin und Hans Rentsch in ihrer «Reformskizze für eine prosperierende Schweiz». Diese setzt – im Anschluss an Bodmer – bei den Determinanten des Pro-Kopf-Einkommens an und fasst mehrere von Avenir Suisse bereits früher formulierte Postulate zusammen. Der Schwerpunkt der Reformvorschläge von Iselin und Rentsch liegt auf der Förderung des Wettbewerbs zur Produktivitätssteigerung und der Ausweitung des Arbeitsvolumens durch den Abbau von Fehlanreizen. Die wichtigsten Reformvorschläge betreffen das Sozialversicherungssystem, den «Service public» sowie die weitere Öffnung des schweizerischen Binnenmarktes. Obschon die Gefahr des aktuell herrschenden Optimismus darin liegt, dass Reformen auf die lange Bank geschoben werden, ist die Reformskizze nicht zuletzt auch dadurch motiviert, einen konstruktiven Beitrag zum Wahljahr zu leisten.
Zum Buch Die vorliegende Studie besteht aus zwei Teilen. Im Hauptteil analysiert Frank Bodmer die jüngste Entwicklung der schweizerischen Volkswirtschaft bezüglich Produktivität und Beschäftigung. Er schliesst dabei an frühere Avenir Suisse-Publikationen zur Wachstumsschwäche an, an denen er zum Teil mitgewirkt hat. Seine kritische Bestandesaufnahme wird durch eine «Reformskizze» ergänzt, die David Iselin und Hans Rentsch auf der Basis bisheriger Arbeiten von Avenir Suisse zusammengestellt haben.
«Aufschwung als Reformchance; Analyse der Wirtschaftsentwicklung, Frank Bodmer; Reformskizze für eine prosperierende Schweiz, zusammengestellt von David Iselin und Hans Rentsch.», herausgegeben von Avenir Suisse; 190 Seiten, ISBN 978-3-03823-401-2, Verlag NZZ, CHF 38.00; ab 29. August 2007 im Buchhandel erhältlich.
Weitere Auskünfte: Dr. Boris Zürcher, Avenir Suisse, Tel. 044 445 90 07, boris.zuercher@avenir-suisse.ch
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